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Rottweil-Mannheim (Neckartal-Tour)

Day 1: Rottweil – Rottenburg (Neckartal-Tour)

Endlich beginnt wieder die Fahrradtourensaison. Als heurige Frühlingstour habe ich den Neckartal-Radweg vorgesehen, der mir vor kurzem empfohlen wurde. So sitze ich an diesem Freitag im ersten Zug von Zürich Richtung Stuttgart und werde dann in Rottweil umsteigen, um an den Startort Villingen zu gelangen. Als ich in Rottweil aussteige, bläst mir ein nasskalter Wind entgegen und ich bin froh, dass ich mich eine gute halbe Stunde im Bahnhofscafé aufwärmen kann, denn im Zug war es eisig kalt; immerhin war er fast pünktlich. Als ich so im Café sitze und warte, kommt mir plötzlich die Idee, die heutige Etappe etwas abzukürzen und hier in Rottweil zu starten, denn diese kleine Stadt liegt auch am Neckar und bei diesem nasskalten Wetter über 90 km weit zu fahren ist kein Gedanke, der mich in Euphorie versetzt. Der Entschluss ist schnell gefasst – ich starte mein Tourabenteuer definitiv in Rottweil.

Bahnhofscafé Rottweil

Bei genauen Hinsehen könnt ihr mich übrigens entdecken auf dieser Foto. Wer sieht mich?
Ca. um 9 Uhr breche ich bei leichtem Nieselregen und ca. 4° Grad los. Zuerst durchfahre ich die sehenswerte Altstadt von Rottweil und sehe dabei einen hohen Turm, der quasi das Wahrzeichen ist von dieser Stadt.

Altstadt von Rottweil mit Testturm im Hintergrund

Wie ich später lese, werden in diesem 246 m hohen Turm neue Liftsysteme getestet, er wird deshalb auch als Testturm bezeichnet. Für Technik-Interessierte:
https://testturm.tkelevator.com/global-de/der-testturm
Natürlich ist es nicht so lustig bei diesem kalten Niesel-Wetter Fahrrad zu fahren, aber dank meiner guten Ausrüstung bleibe ich komplett trocken. Mein Handy habe ich in einen wasserdichten Gefrierbeutel eingepackt, so bleibt es auch trocken.

Am Neckar bei Rottweil

Das Fotografieren ist bei diesen Bedingungen etwas umständlich. So mache ich wenige Fotos heute; nur bei besonders interessanten Sujets ziehe ich meine Handschuhe aus und klaube das Handy aus Halterung und Gefrierbeutel. So zum Beispiel als ich auf einer Hühnerwiese eine an die Wand gelehnte Person erblicke.

Hühnerwiese, Bauwagen, Person (?)

Beim Näherkommen stellt sich die Person als verkleidete Schaufensterpuppe heraus. Soll sie vielleicht Raubvögel abhalten?

Herangezoomt

Nach ca. 2 Stunden Fahrt mache ich die erste Pause und esse mein Käsebrötchen, ein Rüebli und etwas gesalzene Nüsse.

Rast am Neckartalradweg bei Horb

Am Städtchen Horb wäre ich beinahe vorbeigefahren, aber im letzten Moment zweige ich von der Fahrradroute ab und überquere den Neckar, um dieses Städtchen zu besichtigen – ich habe ja genug Zeit dazu.

Horb, von der gegenüberliegenden Talseite aus betrachtet.

Mit einem Lift fahre ich auf den Marktplatz hoch, der sich oben bei der Kirche befindet.

Marktplatz von Horb

Eigentlich hätte ich hier gerne einen Kaffeehalt gemacht, aber es gibt diesbezüglich rein gar nichts hier oben.
Gerade als ich Horb wieder verlassen möchte, entdecke ich doch noch eine Bäckerei mit ein paar Tischen und Stühlen, wo ich endlich etwas Warmes trinken kann – auch eine Erdbeertorte lacht mich an; ich kann ihr nicht widerstehen.

Tee und Kuchen in Horb

Nun ist es nicht mehr weit bis Rottenburg, meinem Etappenziel. Nach einem kleinen Umweg über schmutzig nasse Wege fahre ich auf dem letzten Abschnitt auf frisch asphaltierten Fahrradwegen. Nach meinem Geschmack geht es hier aber etwas zu viel rauf und runter. Das ist ermüdend und so bin ich froh, dass ich schon circa um viertel nach drei in Rottenburg ankomme.

Zentrum von Rottenburg am Neckar

Nach einem längeren Nickerchen im Hotel, das am Rande der Altstadt liegt, schlendere ich noch ein wenig in diesem schönen Städtchen herum. Dabei geniesse ich heute die ersten Sonnenstrahlen.

Rottenburg bei Abendstimmung

Zufrieden finde ich mich wieder im Hotel ein, wo ein feines Essen auf mich wartet: Felchenfilet mit Spargeln.

Abendessen im Hotel Martinshof

So endet dieser erste nasskalte Tourentag versöhnlich.

Fakten Etappe 1: Rottweil – Rottenburg am Neckar
Gefahrene Strecke: 75.4 km
Fahrzeit: 6 Std. 19
Durchschnittsgeschw.: 14.6 km/h
hinauf: 500m
hinunter: 700m
Übernachtung im Hotel Martinshof, Rottenburg


Day 2: Rottenburg – Esslingen (Neckartal-Tour)

Nach tiefem Schlaf und gutem Frühstück breche ich heute um 9 Uhr auf. Die Sonne scheint und es ist angenehm frisch. Gutgelaunt verlasse ich das Städtchen Rottenburg und bin schon bald wieder im Grünen.

Fahrradweg in der Nähe von Rottenburg

Schon bald erreiche ich Tübingen. Diese Stadt möchte ich ein wenig erkunden, denn ich habe heute nur eine kurze Etappe vor mir und somit genügend Zeit. Die Altstadt von Tübingen mit ihren Fachwerkhäusern gefällt mir ausserordentlich gut.

Tübingen Marktplatz

Längere Zeit fahre ich relativ planlos in der Altstadt herum, bis ich ein Café entdecke, in dem man an der Sonne sitzen kann.

Kaffeepause in Tübingen

Der nächste Abschnitt ist sehr schön und ich fahre oft dem Neckar entlang. Es ist heute, ganz anders als gestern, ein wunderschöner Frühlingstag bei angenehmen Temperaturen – perfekt zum Fahrradfahren. Als ich um die Mittagszeit ein schönes, schattiges Plätzchen entdecke mache ich hier meine Mittagspause.

Mittagsrast am Neckar

Auf der Weiterfahrt mache ich einen kleinen Abstecher in das kleine, herzige Städtchen Nürtingen, das auf der anderen Seite des Neckars liegt und vom dem ich bisher noch nie gehört hatte.

Nürtingen

Heute ist es ein Tag zum Geniessen; viele Fahrradfahrer sind unterwegs auf diesem schönen Fahrradweg und manchmal sieht man auch weidende Schafe.

Frühlingsstimmung in der Nähe von Nürtlingen

Schon bald erreiche ich Esslingen a. Neckar, mein heutiges Etappenziel.

Esslingen am Neckar, Schelztor

Es ist viel los hier und die Leute stehen Schlange vor der Gelateria beim Schelztor.
Mein Hotel liegt gleich neben diesem Turm und heisst deshalb „Hotel am Schelztor.“
Nach dem Einchecken, der Dusche und dem Nickerchen schlendere ich ein wenig in der Altstadt herum und suche ein Restaurant, wo man draussen essen kann.

Esslingen am Neckar

Gleich neben dem Rathaus finde ich Platz in einem Restaurant mit griechischer Küche – und bekomme schon jetzt um 17.15 Uhr etwas Warmes.

Lammkotelets mit Blick auf das Rathaus

Ich beginne hier an meinem Blog zu schreiben und geniesse die friedliche Stimmung und die Musik von zwei Strassenmusikern, die mir wohlbekannte Lieder vortragen wie «Autumn Leaves», «Que Sera» und weiteren.
Genau um 18.02 Uhr setzt das Glockenspiel der Rathausturmglocken ein. Ich kenne doch diese Melodie, aber ich muss lange studieren bis mir Komponist und Stückname einfallen – dabei habe ich doch dieses Stück auch schon gespielt auf der Geige vor langer Zeit …

IMG_5558.mp3 (318.4KB)
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Glockenspiel am Rathaus Esslingen (leider nur noch die letzten paar Takte)
Von welchem Komponisten stammt das Stück? Wie heisst es?
Hier als Hilfe die Noten der ersten paar Takte des Stückes:


Auch interessant ist dieser Beitrag über den Glöckner von Esslingen, der Arrangeur ist von diesem Stück:

https://youtu.be/95z5Q0tg5gs

Der Glöckner von Esslingen

Nach dem Abendessen möchte ich noch den dicken Turm besuchen, der über der Stadt thront. Auf überdachtem Wehrgang steige ich viele Stufen hoch, bis ich endlich oben bin.

Wehrgang zum Dicken Turm

Die Mühe hat sich gelohnt, man hat eine wunderbare Aussicht von hier oben:

Aussicht vom dicken Turm, Esslingen a. Neckar

Die Anlage mit dem dicken Turm, den Weinreben und den Wehrgängen erinnert mich ein wenig an Schaffhausen mit dem Munot und weckt in mir damit fast etwas heimatliche Gefühle.

Dicker Turm, Esslingen a. Neckar

Zufrieden kehre ich ins Hotel zurück und mache hier noch den Finish meines Blogs.

Fakten Etappe 1: Rottenburg – Esslingen a. Neckar
Gefahrene Strecke: 68.4 km
Fahrzeit: 4 Std. 51
Durchschnittsgeschw.: 14.1 km/h
bergauf: 220 m
bergab: 330 m
Übernachtung im Hotel am Schelztor, Esslingen a. Neckar

PS: Auflösung Rätsel vom Vortag: Ich spiegle mich im Fensterglas des Cafés


Day 3: Esslingen a. Neckar – Bad Wimpfen (Neckartal-Tour)

Heute ist es grau und trüb, als ich aus dem Hotelfenster schaue. Ich beeile mich beim Frühstück und beim Packen, denn ich habe eine längere Etappe vor mir. Doch als ich um halb neun mein Velo aus dem Fahrradschuppen holen möchte, stehe ich vor einem unerwarteten Problem. Er ist so mit parkierten Autos zugestellt, dass ich das Fahrrad nicht aus diesem Gefängnis herausschieben kann. Insbesondere ärgert mich der weisse Riesen-BMW mit ZH-Kontrollschild, der vor dem Schuppen parkiert hat, obwohl hier kein Parkfeld markiert ist.

Zuparkierter Fahrradschuppen

Ich finde dann aber doch eine Lösung, wie ich das Fahrrad aus diesem «Gefängnis» herausbringe. Wie habe ich das gemacht? (Das heutige Rätsel)
Glücklicherweise bleibt dieses kleine Ungemach das einzige auf meiner heutigen Etappe.
Es ist etwa 10° Grad kühl und immer noch grau, als ich um 08.40 Uhr losfahre. Bald gelange ich wieder auf den Neckarradweg und bin froh, dass mir meine App im Strassengewirr um Stuttgart herum den Weg weist. Ohne die Hilfe dieser App hätte ich hier wohl nicht immer den richtigen Weg gefunden.

Fahrradweg im Industriegebiet bei Stuttgart

Ich glaube, ich fahre in der Folge an den Mercedes-Benz-Werken vorbei, denn der Stern an einem grossen modernen Fabrikgebäude ist unübersehbar.
Nach ca. 30km mache ich einen Abstecher nach Marbach, welches auf der gegenüberliegenden Neckar-Seite liegt. Auf einem Schild lese ich, dass Marbach die Schiller-Stadt genannt wird, weil Friedrich Schiller hier geboren wurde und man hier sein Geburtshaus und ein ihm gewidmetes Museum besichtigen kann. Mir ist der Sinn aber eher nach einem Café; die Suche danach verläuft zuerst aber etwas enttäuschend – erst als ich schon aufgeben will, erblicke ich ein Gelateria-Café, welches von einem Italiener aus Salerno betrieben wird.

Kaffeehalt in Marbach am Neckar

Es ist aber nicht viel los in diesem an und für sich schmucken Kleinstädtchen, weshalb ich bald wieder weiterfahre.
In der Folge merke ich, dass zwei Velofahrer längere Zeit hinter mir her fahren und der eine davon mich irgendwann etwas ungeduldig überholt, und der andere, eine Frau, hartnäckig weiter hinter mir herfährt. Irgendwann spricht sie mich an und sagt, dass mein Tempo perfekt für sie sei und ihr Mann für ihre Verhältnisse immer ein wenig zu schnell fahre. Als ich mich ein paar Kilometer später «ausklinke», weil ich Mittagspause machen möchte, bedankt sie sich für mein Voranfahren und wünscht mir weiterhin ein gute Reise. Fast hätte ich ihr gesagt, dass sie nächstes Mal besser mit mir eine Fahrradtour machen sollte, aber da war sie schon weg.

Mittagspause bei Mundelsheim

Die Region hier erinnert mich ein wenig an die Mosel-Region, denn auch hier säumen steile Rebberge das Flussufer.
Mein nächster Abstecher auf meiner Weiterfahrt ist Besigheim. Das ist ein unglaublich schönes, kleines und fast schon kitschig anmutendes Städtchen, welche auf einem Hügel in einer Neckar-Flussschlaufe gelegen ist.

Besigheim

Das Wetter ist nun wieder besser. Plötzlich zeigt sich der blaue Himmel und es ist spürbar wärmer, so dass ich meine Jacke ausziehen kann.

Auf dem Neckartal-Radweg bei Besigheim

Der Neckar ist nun zu einem erstaunlich breiten Fluss angewachsen, der auch dank der vielen Staufstufen und Schleusenanlagen für die Schiffahrt genutzt wird. Als ich wieder einmal den Neckar überquere, werde ich Zeuge von einer Schleusenquerung eines grossen Lastkahnes.

Schleuse in der Nähe von Heilbronn

Von der Stadt Heilbronn sehe ich nicht viel; sie liegt wohl etwas weiter vom Neckar entfernt. Immerhin lässt aber das grosse Industriegebiet erahnen, dass ich in der Nähe einer grösseren Stadt bin.

Industriegebiet bei Heilbronn

Nach rund 100 km  erblicke ich mein Etappenziel Bad Wimpfen. Diese Stadt liegt etwas erhöht am Ufer des Neckars und wird vom einem hohen mittelalterlichen Turm überragt.

Blick auf Bad Wimpfen

Mein Hotel liegt am Rande der Altstadt und gehört zur «nobleren Sorte», wie ich bald bemerke. Mein Zimmer ist gross und luxuriös eingerichtet. Nur schon die Dusche lässt mich staunen:

Dusche in meinem Zimmer, Hotel Neues Tor, Bad Wimpfen

Auch der Fernseher hat es in sich; zuerst suche ich ihn vergeblich, dann lese ich, dass er im grossen Spiegel vis-à-vis des Betts integriert ist.

Spiegel-Fernseher

Ich bin übrigens auch mal wieder im Bild. Wer findet mich? Am Fernseher läuft gerade eine Sendung, welche die Musikerziehung in Schweden zum Thema hat – sehr interessant. Die wichtigste Erkenntnis dabei: Es ist absolut entscheidend, möglichst früh mit den Kindern zu musizieren und zu singen zu beginnen und dies während der ganzen Schulzeit beizubehalten. Da bin ich als Musikpädagoge komplett gleicher Meinung.
Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, noch einen kleinen Rundgang im Städtchen zu machen. Sehr langsam bummle ich durch die Strassen, denn meine Beine sind ziemlich müde. Beeindruckend sind die vielen schönen Fachwerkhäuser, die das Stadtbild prägen.

Bad Wimpfen

Das Nachtessen nehme ich im Hotel ein. Die Ambiance, das Essen und die Bedienung begeistern mich. Ich fühle mich sehr wohl und werde von einer Armada von freundlichen und sympathischen Bediensteten sehr aufmerksam umsorgt – das ist aussergewöhnlich.

Dessert im Hotel Neues Tor, Bad Wimpfen

Ein schöner Tag neigt sich dem Ende entgegen. Ich ziehe mich in mein Zimmer zurück, wo ich meinen Blogeintrag fertig schreibe.

Fakten Etappe 3: Esslingen a. Neckar – Bad Wimpfen
Gefahrene Strecke: 100 km
Fahrzeit: 6 Std. 16
Durchschnittsgeschw.: 15.9 km/h
bergauf: 390 m
bergab: 440 m
Übernachtung im Hotel Neues Tor, Bad Wimpfen

PS: Auflösung Rätsel Etappe 2: Humoreske von Antonín Dvořák


Day 4: Bad Wimpfen – Heidelberg (Neckartal-Tour)

Heute bin ich etwas früher dran als sonst, denn das Frühstück gibt es in diesem mondänen Hotel schon ab 06.30 Uhr. Das Hotel ist für mich einfachen Fahrradtourenfahrer natürlich viel zu nobel und so geniere ich mich ein wenig mit der Fahrradbekleidung am Frühstück zu erscheinen. Ich ziehe stattdessen «normalen» Kleider an, um nicht aufzufallen.
Wieder unterwegs gelange ich bald an den Neckar. Dabei geniesse ich die morgendliche Ruhe und Frische.

Fahrradroute bei Bad Wimpfen

Nach ca. 20 km stehe ich vor einem etwas unerwarteten Problem: Baumaschinen versperren den ganzen Weg und ich sehe, wie mir entgegenkommende Fahrradfahrer sich fluchend ein Wiesenbord hochkämpfen.

Bauarbeiten an der Fahrradroute

Irgendwie schaffe auch ich es, am Hindernis vorbeizukommen. Nach dieser etwas ärgerlichen Episode, wäre ein erster Kaffeehalt angesagt, aber es gibt auf diesem Abschnitt nur wenig grössere Ortschaften, so dass ich mich gedulden muss, bis ich endlich in Neckargerach eine Bäckerei mit «Steh-Kaffee» entdecke.

Kaffee und Kuchen in der Bäckerei Zumtobel, Neckargerach

Der Rhabarberkuchen schmeckt ausgezeichnet und ich muss mich beherrschen, dass ich nicht noch ein zweites Stück bestelle. Überrascht bin ich, als es ans Zahlen geht; die Dame hinter der Theke verlangt für Kaffee, Kuchen, eine Flasche Mineralwasser und ein Rosinenbrötchen sage und schreibe nur 6 Euro 60.
Wenig später überquere ich wieder einmal den Neckar und habe dabei eine schöne Aussicht auf Zwingenberg mit seinem Schloss.

Zwingenberg

Überhaupt säumen hier viele Burgen, Burgruinen und Schlösser den Weg – und es würde den Rahmen sprengen, alle zu fotografieren und zu dokumentieren
Der kommende Abschnitt durch den Wald ist wunderbar, nur ist der Weg etwas holprig, so dass ich nur noch sehr langsam vorankomme. Dabei kitzelt immer wieder ein intensiver Duft meine Nase. Von welcher Pflanze stammt der Duft? (das heutige Rätsel).

Fahrradroute dem Neckar entlang

Die Pflanze, die hier en masse vorkommt, ist sogar Thema auf einigen Schautafeln am Wegrand. Etwas später fahre ich an weiteren Schautafeln vorbei, die diesmal über den historischen Sandstein-Abbau informieren, der prägend für diese Region war.
Offenbar wird dieser rötliche Sandstein immer noch abgebaut, wie ich wenig später auf der anderen Talseite beobachten kann.

Sandstein-Abbau bei Hirschhorn

Gerade als ich das schöne Städtchen Hirschhorn auf der gegenüberliegenden Seite fotografieren möchte, fährt ein Lastschiff, das Metallschrott geladen hat ins Bild. Eine interessante Kombination!

Hirschhorn und Schiff mit Metallschrott

Der heutige Tag ist wunderbar zum Fahrradfahren. Die Sonne scheint zumeist, es ist etwa 20° Grad warm und es hat kaum Wind; das sind wirklich optimale Verhältnisse.

Im Naturpark Neckartal-Odenwald

Nun ist es nicht mehr weit und schon bald stehe ich vor den Stadttoren von Heidelberg, meinem heutigen Etappenziel.

Ankunft in Heidelberg

Mein Hotel befindet sich in der belebten Altstadt unweit der alten Brücke.

Steingasse mit dem Hotel-Restaurant Hackteufel

Das Nachmittags-Nickerchen halte ich diesmal kurz, ich möchte genügend Zeit haben für die Besichtigung dieser aussergewöhnlich schönen Stadt. So ziehe ich bald los und trete als erstes in die Heiliggeistkirche am Marktplatz.

Innenraum der Heiliggeistkirche, Heidelberg

Darauf schlendere ich längere Zeit der verkehrsfreien Hauptstrasse entlang. Sie scheint unendlich zu sein und später lese ich, dass dies die längste verkehrsfreie Innenstadt Deutschlands sei, also hat mich mein Eindruck nicht getäuscht.

Hauptstrasse von Heidelberg

Für einen Montag sind erstaunlich viele Leute unterwegs. Wie wird das wohl in der Ferienzeit im Sommer sein?
Als ich aus einer Seitengasse Musik höre, zieht es mich dorthin. Eine jüngere Jazzsängerin singt Lieder und begleitet sich selbst auf der Gitarre. Ich höre eine Zeitlang zu und lausche gespannt ihren manchmal witzigen Erklärungen zu ihren Songs.

Konzert von LUVA

Die Songs, die sie (Laura Volk alias Luva) selbst geschrieben hat, gefallen mir gut – später lese ich, dass ihr Stil als «melancholischen Pop mit Jazzeinflüssen beschrieben» wird. Hier ein Beispiel:

https://youtu.be/xCNg_bfb73I

Wieder zurück im Hotel, nehme ich dort das Nachtessen ein. Für einmal bestelle ich etwas Einfaches: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat.
In der gemütlichen Gaststube fallen mir die Lampen ins Auge: Alle sind mit echten Musikinstrumenten verziert.

Gaststube Hotel Hackteufel, Heidelberg

Nach dem Nachtessen ist es noch zu früh, mich ins Zimmer zurückzuziehen – so beschliesse ich, zum Heidelberger Schloss hochzusteigen, wo ich mit einer herrlichen Aussicht auf die Stadt belohnt werde.

Aussicht vom Heidelberger Schloss

Als ich im öffentlich zugänglichen Park noch etwas herumschlendere, erblicke ich den «gesprengten Turm», dessen Anblick offenbar romantische Künstler und auch Goethe inspirierte.

Motiv der Romantik: «Der gesprengte Turm»

Nach diesem Ausflug kehre ich mit vielen Eindrücken ins Hotel zurück, wo ich noch meinen Blogeintrag über diesen schönen Tag schreibe.

Fakten Etappe 4: Bad Wimpfen – Heidelberg
Gefahrene Strecke: 77 km
Fahrzeit: 5 Std. 26
Durchschnittsgeschw.: 14.2 km/h
bergauf: 400 m
bergab: 480 m
Übernachtung im Hotel Hackteufel, Heidelberg

PS: Auflösung Rätsel Etappe 3: Ich habe das Fahrrad hochgehoben (über meinem Kopf) und über die parkierten Autos hinweggetragen.


Day 5: Heidelberg – Mannheim (Neckartal-Tour)

Als ich heute morgen allein beim Frühstück in der reizvollen Gaststube sitze, beginne ich die Musikinstrumente zählen, die als Lampendekoration dienen oder irgendwo im Raum aufgehängt sind. Ich zähle insgesamt 15 Instrumente: 5 Geigen, 9 Blechblasinstrumente jeglicher Art und ein Akkordeon und alle sind echt. Das ist eine aussergewöhnliche Dekoration.

Gaststube im Hotel Hackteufel, Heidelberg

Ich hab’s heute nicht eilig. Meine letzte kurze Etappe wird mich nach Mannheim führen, von wo ich den Zug nach Zürich nehmen werde. Beim Verlassen dieser schönen Stadt entdecke ich den Affen, der so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt ist.

Affe von Heidelberg

In der Folge fahre ich noch längere Zeit in der Agglomeration von Heidelberg herum, bis ich wieder im Grünen bin und auf gut signalisierter Fahrradroute Richtung Mannheim fahre.

Fahrradroute zwischen Heidelberg und Mannheim

Heute ist es fast schon sommerlich warm und ich trage zum ersten Mal auf meiner Tour von Beginn weg keine Jacke.
Ein bisschen Abwechslung gibt’s, als ich mit einer kleinen Fähre über den Neckar setzen muss.

Fähre bei Neckarhausen

Die heutige Etappe ist topfeben und so komme ich mühelos vorwärts.
Als ich so daherfahre, kommt mir der Begriff «Mannheimer Rakete» in den Sinn. Wer weiss, was das ist? (Das heutige Rätsel, man darf gerne danach googeln).
In einem Vorort von Mannheim fahre ich am Fernmelde-Turm vorbei. Er gehört zu den Wahrzeichen der Stadt, ist 218 m hoch ist und mit einem Drehrestaurant versehen.

Fernmeldeturm, Mannheim

Schon bald bin ich im Stadtzentrum von Mannheim und möchte mich dort ein wenig umsehen. Vergeblich suche ich aber eine Altstadt; ich lese später, dass sie im Krieg zerstört wurde. Die ursprüngliche quadratische Gesamtanlage ist aber immer noch gut zu erkennen.
Das Barockschloss Mannheim, nach Versailles das zweitgrösste in Europa, befindet sich am Rande des Zentrums und ist gigantisch gross.

Schloss Mannheim

Der Wasserturm gehört ebenfalls zu den Wahrzeichen der Stadt. Deshalb statte ich auch ihm einen Besuch ab.

Wasserturm von Mannheim

Nach einem kurzen Kaffeehalt fahre ich Richtung Bahnhof und bin gespannt, ob die Rückreise mit dem ICE nach Zürich klappt wie vorgesehen – das würde mich wundern. Aber das Wunder bleibt aus. Zuerst wird der Zug mit einer Stunde, dann mit zwei Stunden Verspätung angekündigt, bis schliesslich die Information kommt, dass er ganz ausfällt.
Das ist ärgerlich, aber glücklicherweise kann ich wenigstens eine Stunde später auf einen EC steigen, der mich samt Fahrrad nach Basel bringt. Von dort sollte ich dann problemlos nach Zürich kommen.

Somit endet mein Bericht über die Neckartal-Tour – eine Route, die ich sehr empfehlen kann. Trotz der Nähe zu meinem Heimatort Schaffhausen kannte ich das Neckargebiet mit den vielen schönen kleineren und grösseren Städten bisher kaum. Diese Bildungslücke habe ich nun geschlossen.

Und nicht zuletzt ein herzliches Dankeschön für alle die Wünsche, Rückmeldungen und Likes zu meinen Beiträgen.

Fakten Etappe 5: Heidelberg – Mannheim
Gefahrene Strecke: 30 km
Fahrzeit: 2 Std. 26
Durchschnittsgeschw.: 12.2 km/h
bergauf: 60 m
bergab: 70 m

PS: Auflösung Rätsel Etappe 4: Der Geruch von Bärlauch


Map Gesamttour: Rottweil – Mannheim (Neckartal-Tour):