Fahrradtouren in Europa
fahrradtouren.blog

Fahrradtouren-Berichte Italien
fahrradtouren.blog


Mailand-Trieste-Tour


D1 Seregno-Brescia (Mailand-Trieste-Tour)

Die diesjährige Frühlingstour beginnt denkbar schlecht. An meinem ersten Etappentag an diesem 30. April erwache ich um 01:00 Uhr mit Unwohlsein und Bauchschmerzen. In der Folge muss ich die ganze Palette von unangenehmen Folgeerscheinungen ertragen, wenn man etwas Verdorbenes gegessen hat, d.h. ich verbringe den Rest der Nacht im Badezimmer des Hotels in Lugano, wo ich vor meiner Tour ein paar Tage verbrachte.

Eigentlich sollte meine Tour in Milano starten, aber da ausgerechnet heute wegen Bauarbeiten keine direkten Züge nach Mailand verkehren, muss ich umplanen: Monza wird mein neuer Abfahrstort sein. Leider komme ich aber nur bis Seregno, da ich von dort nicht auf den Ersatzbus nach Monza umsteigen darf mit meinem Fahrrad.

 Bahnhof von Seregno, Startpunkt meiner ersten Etappe

Es ist kalt und windig als ich an diesem etwas unwirtlichen Bahnhof aussteige. Die Lifte für das Fahrrad funktionieren nicht; das fängt ja schon gut an… Schliesslich schaffe ich es über Treppen zum Ausgang.

Ziemlich gerädert steige ich auf mein Rad und lasse mich von Komoot leiten. Die Strecke ist zu Beginn nicht schön, es geht manchmal sogar der Autobahn entlang. In knapp einer Stunde erreiche ich Monza, von wo ich heute hätte losfahren wollen.

Bahnhof Monza

Ich fahre beim Bahnhof Monza vorbei, wo einige Leute auf die Ersatzbusse warten.

Bald nach Monza gelange ich an den Kanal Villoresi, dem entlang für längere Zeit meine Fahrradroute führen wird. Leider sind die Wege aber oft sehr schlecht und zum Teil kaum befahrbar, weshalb ich es zuweilen vorziehe, einen Umweg über befestigte Strassen zu machen.


Fahrradweg dem Kanal Villoresi entlang, in der Nähe von Monza

Natürlich leide ich immer noch an meinen Magen- und Darmproblemen und fühle mich sehr geschwächt und hundemüde. So fahre ich ziemlich langsam und auch der aufkommende Gegenwind macht mir zu schaffen.

Der ausgetrocknete Kanal ist endlos. Manchmal sind die Wege etwas besser, dann tummelt sich einiges Volk darauf.

Fahrradroute dem Kanal Villoresi entlang

Aber oft sind es mühsam zu befahrene Feld- und Kieswege und manchmal sogenannte Single-Trails.


Single-Trail als Fahrradroute

Da muss ich höllisch aufpassen, dass ich auf dem Weg bleibe und nicht in den Kanalgraben falle.

So komme ich natürlich kaum vorwärts und ich frage mich, wie ich in meinem geschwächten Zustand die vorgesehenen 106 km schaffen soll. Ausserdem macht mir mein Rücken zu schaffen und Kopfschmerzen habe ich auch noch.

Nach ca. 35 km gibt’s landschaftlich etwas Abwechslung; ich überquere die Adda (Etsch).

Adda bei Fara Gera d’Adda

Als ich kurz darauf in Treviglio ankomme, entschliesse ich mich, auf dem Bahnhof nachzuschauen, ob hier ein Zug nach Brescia fährt. Ich bin nämlich fix und fertig. Wie froh bin ich, dass ich einen Zug nach Brescia nehmen kann und mein Leiden somit ein Ende findet.

Dort angekommen schaffe ich es gerade noch ins Hotel, wo ich mich erholen kann und den verpassten Schlaf nachholen kann. Ich schaffe es nicht mehr, hinauszugehen und mich ein wenig in Brescia umzusehen. Immerhin geht es mir aber nach ein paar Stunden so gut, das ich den heutigen, etwas reduzierten Blogeintrag schreiben kann.

Etappe 1: Seregno-Brescia (Mailand-Trieste-Tour)
Gefahrene Kilometer: 44.3 km
mit dem Zug: ca. 60 km
Durschschnittsgeschw.: 11.9 km/h
Übernachtung im Hotel Vittoria, Brescia



D2 Brescia-San Bonifazio (Mailand-Trieste-Tour)

Der heutige Tag beginnt besser als der vorangegangene. Nach meiner kleinen Lebensmittelvergiftung geht es mir nach viel Schlaf wieder besser und ich kann gemässigt frühstücken im monumentalen Hotel Vittoria, in dem ich nächtigte.

Hotel Vittoria, Brescia

Als ich um ca. 08.15 Uhr losfahre, frage ich mich, ob ich die lange Etappe nach meinem „Krankheitstag“ schaffen werde.

Zuerst hole ich nach, was ich am Vortag gerne gemacht hätte, nämlich eine kurze Besichtigung der schönen Altstadt von Brescia.

Brescia, Domplatz, alter u. neuer Dom

Natürlich gäbe es noch weitere sehenswerte Dinge zu besichtigen, aber ich ziehe es vor, zügig loszufahren, da ich zeitig an meinem Etappenziel ankommen möchte.

Ich komme gut voran an diesem 1.-Mai-Morgen, die Strassen sind fast leer; nur ein paar untenwegte Fahrradfahrer sind schon unterwegs. Bald schon verlasse ich die Hauptstrasse, denn meine App führt mich auf kleinere Nebensträsschen.

Fahrradroute in der Nähe von Brescia

Das Wetter ist perfekt zum Velofahren, es regnet nicht und die Temperatur ist ideal, wohl etwas unter 20 Grad. Auch ein Fahrradfahrer, der mich überholt und mit dem ich ein paar Worte wechsle, meint, es sei ein „good day“ heute. Allerdings ist das Gelände heute etwas coupiert, es geht einige Male bergauf – und dann zum Glück wieder bergab. Auf einer solchen Talfahrt erblicke ich von weitem den Gardasee.

Blick auf den Gardasee

Bald schon bin ich unten am Ufer dieses Sees und im Touristenort Desenzano mache ich meinen ersten Halt. Ich setze mich in ein Strassencafé und trinke eine Coca Cola; das sollte meinem geschundenen Magen gut tun, so hoffe ich.

Halt in Desenzano

In der Folge fahre ich geraume Zeit dem südlichen Seeufer entlang. Es ist sehr touristisch hier und es sind viele Leute unterwegs; zum Teil auf dem Fahrrad so wie ich oder zumeist im Auto. Oft hat es einen schmalen Velostreifen, wo sich aber auch noch Fussgänger tummeln an diesem Feiertag. So gleicht das Vorankommen auf diesem Abschnitt ein wenig einem Spiessrutenlaufen.

Als ich an einer mächtigen Stadtmauer vorbeifahre, möchte ich wissen, was sich dahinter verbirgt. Ich betrete den Ort durch einen Brücke und Lücke in dieser Mauer und finde das Städtchen Peschiera del Garde vor, welches als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Peschiera del Garda

Ich sehe mich kurz in der Altstadt um und staune über das Gewimmel von Leuten. In der Folge führt mich die Fahrroute dem Fluss Mincio entlang, Das ist ein sehr schöner Abschnitt, wo die Velofahrer unter sich sind.

Fahrradroute am Ufer des Mincio

Leider verlasse ich die schöne Fahrradroute schon bald wieder, denn mein Weg führt nach Osten und der Mincio fliesst nach Süden, wo er in den Po münden wird.

Durch etwas hügeliges Gelände fahre ich nun Richtung Verona.

Fahrradroute, ca 10km westlich von Verona

Den ganzen Tag kämpfe ich gegen ziemlich heftigen Wind, der mir aus Ost ins Gesicht bläst. Immerhin bin ich froh, dass es bis jetzt nicht regnet, denn es ist ziemlich grau an diesem Tag.

Ca. um 14.00 Uhr erreiche ich Verona – hier möchte ich endlich die ersehnte Mittagspause einlegen.

Verona

An prominenter Stelle mit Blick auf das berühmte Amphitheater finde ich ein Plätzchen im Aussenbereich eines Restaurants. Just als ich mich gesetzt habe, beginnt es leicht zu regnen; da bin ich aber froh unter einem Dach zu sitzen.

Mittagspause in Verona, mit Blick auf das Amphitheater

Wie ich lese, ist dieses Amphitheater mit ca. 2000 Jahren eines der ältesten römischen Theater und nach dem Kolosseum das zweitgrösste in Italien.

Nachdem ich etwas überteuert gespiesen habe, breche ich wieder auf und überquere schon bald die Etsch (Adda), die diese Stadt prägt.

Etsch (Adda) bei Verona

Jetzt sind es nur noch ca. 35 km bis zu meinem Etappenziel und es geht ziemlich abwechlungsreich weiter auf dieser Etappe.

Ein Schild, das ich auf meinem Weg erblicke, macht mich etwas stutzig; Eine Schneekettenempfehlung hier in der Nähe von Verona, das kann doch nur ein „Witz“ sein. Die Strasse ist aber so steil, dass man hier Schneeketten wohl wirklich gebrauchen kann, wenn es denn mal Schnee hat. Für mich bedeutet das, dass ich mein Fahrrad ca. einen Kilometer schiebe, Ich bin schon ziemlich am Ende meiner Kräfte und mir bereitet sogar das Schieben einige Mühe. Wie bin ich froh, als ich endlich oben bin.

Colognola ai Colli

Man hat einen guten Ausblick von hier oben – und ich stelle dabei fest, dass sich am Himmel bedrohliche Regenwolken zeigen.

Blick von den Hügeln bei Colognola ai Colli gegen Osten

Da schon bald die ersten Tropfen fallen, muss ich mich entscheiden, ob ich meine Regenmontur überziehe. Ich fahre weiter ohne und sage mir, dass ich sie erst überziehe, wenn die Strasse ganz nass ist.

So erreiche ich immer noch halbwegs trocken, das Städtchen Soave, welches von einer vollständig erhaltenen und eindrücklichen Stadtmauer mit 24 Türmen umgeben ist.

Stadtmauer von Soave

Nun ist es nicht mehr weit zu meinem Hotel in der Nähe von San Bonifazio, welches ich abgekämpft nach 18 Uhr erreiche. Eine interessante und empfehlenswerte, aber etwas gar weite Etappe findet somit ihren Abschluss.

Mein Zimmer im «Le Muse Hotel», San Bonifazio

Nach einer wohltuenden heissen Dusche werden die wenige Gäste mit einem einfachen Nachtessen beglückt,- das zum Hotel gehörende Restaurant war eigentlich geschlossen.

Nach dem Essen würde ich am liebsten aufs Bett sinken und einschlafen, aber ich muss ja noch meinen Blog schreiben…

Fakten Etappe 2: Brescia-San Bonifazio (Mailand-Triest-Tour)
Gefahrene Strecke: 113 km
Durchschnittsgeschw.: 13.4 km/h
Übernachtung im «Le Muse Hotel», San Bonifazio



D3 San Bonifazio-Treviso (Mailand-Trieste-Tour)

Am heutigen Tag ist die Wetterprognose nicht gut, d.h. ich muss viel Regen erwarten. Schon als ich losfahren möchte, regnet es leicht und ich ziehe deshalb meine Regenkleidung an.

Ich mache noch schnell ein Foto des landhausartigen und gepflegten Le Muse Hotels, bevor ich losfahre.

Le Muse Hotel, San Bonifazio

Bald schon fahre ich auf einer stark befahrenen Haupstrasse gegen Osten, verlasse sie zum Glück aber bald wieder, bevor ich auf einen von meiner App angekündigten Single-Trail abbiegen muss. Das verheisst nichts Gutes – umso überraschter bin ich aber, dass ich einen neu angelegten Fahrradweg vor mir sehe.


Fahrradweg in der Nähe von San Bonifazio

Leider dauert das Vergnügen, auf diesem tollen Fahrradweg mühelos dahinzufahren, nicht allzu lang – es folt ein Mix von verschiedenen Strassen, den ich in der Folge durchfahre. Und wenn es nicht regnen würde, wären manche Abschnitte sehr idyllisch.


Fahrradroute in der Nähe von Vicenza

Nach ca. 30 km erreiche ich die schöne Stadt Vicenza, die an meiner letztjährigen Herbsttour Zielort war. Die Fahrradwege in die Stadt hinein sind sehr gut signalisiert und ziemlich komfortabel. Auf der Piazza ist gerade Markt, das Interesse an den dargebotenen Kleidungsstücken hält sich aber in Grenzen.

Vicenza, Piazza

Gerade als ich ein Café gefunden habe, wo ich mich draussen hinsetzen kann, spricht mich ein älterer Herr auf Deutsch an und lädt mich zu einem Capuccino ein – er hat wohl Mitleid mit mir in meinen nassen Kleidern. Ich bleibe aber lieber draussen denn mit meiner nassen und schmutzigen Regenbekleidung traue ich mich nicht ins Café hinein. Ich bestelle eine cioccolata calda, ein Stück „Crèmeschnitte“ (wunderbar) und eine Coca Cola.


Kaffeehalt in Vicenza

Als der ältere Herr wieder aus dem Kaffee kommt, sagt er, dass er alles bezahlt habe. Was für eine Überraschung! Ich wechsle ein paar Wort mit ihm und erfahre, dass er in München studiert hat und später in der Lederbranche gearbeitet hat. Interessant!

In der Folge gehts weiter Richtung Osten und ich fahre dabei auf einem Abschnitt, welchen ich im Herbst schon von Padua kommend in der Gegenrichtung befahren hatte. Nach ca. 10 km aber biegt die Route links ab und ich gelange auf den Ciclovia Ostiglia Treviso. Dieser Fahrradweg wurde erst vor kurzem auf einem ehemaligen Bahntrassee angelegt und ist unglaublich komfortabel.

Fahrradroute Ciclovia Ostiglia Treviso

Auf diesem Fahrradweg fahre ich nun bis nach Treviso. Das hellt meine etwas gedämpfte Stimmung ziemlich auf. Staunend fahre ich später über eine schöne Brücke, die extra für diesen Fahrradweg gebaut wurde.

eindrückliche Fahrradwegbrücke über den Fluss Brenta

Natürlich ist der Weg auch ein bisschen „langweilig“, denn es sieht immer ähnlich aus: Viel Grün und praktisch immer geradeaus.

Als mal wieder eine Pause fällig wäre, entdecke ich am Weg einen gross angekündigten Bike-Park, wo ich anhalte. Heute bin ich aber der einzige Biker; nur 3 ältere Herren befinden sich in gedeckten Bereich und plaudern miteinander. Ich setze mich an einen Tisch, es kommt aber keine Bedienung. Es hätte einen Getränkautomat, aber ich habe kein Kleingeld. So sitze ich einfach da, erhole mich ein wenig und lade das iPhone auf mit meiner Powerbank.


kurzer Halt im Bikepark, 16 km vor Treviso

Ein bisschen enttäuscht mache ich mich wieder auf den Weg. Es regnet immer noch und die Strasse ist bis Treviso nicht mehr geteert, sondern gekiest, was das Fahren bei diesem Regen und Dreck nicht sehr angenehm macht.

Genau als ich 100 km geschafft habe, erreiche ich eine weitere Bike-Gaststätte. Da würde ich mir jetzt bei schönem Wetter ein Eis gönnen. Das Wetter ist aber schlecht, das Lokal geschlossen – und so fahre ich halt weiter.

Ich kann mich an keinen solchen Regentag erinnern, an dem ich mit dem Fahrrad unterwegs war. Es regnet fast ununterbrochen, zwar nicht stark, aber ziemlich gleichmässig. So bin ich froh, dass ich um ca. viertel nach fünf endlich Treviso erreiche und im B&B-Hotel einchecken kann. Mein Zimmer in diesem Hotel hat zwar den Charme eines Kühlschrankes, aber die Dusche ist schön warm und hat einen kräftigen Strahl und das ist im Moment das Wichtigste.

Mein Zimmer im B&B Hotel, Treviso

Nach der Dusche kann ich mich dazu aufraffen, noch eine kleine Stadtbesichtigung zu machen. Es regnet noch immer, aber dank meiner regendichten Jacke macht mir der Regen nichts aus.

Kathedrale (rechts) von Treviso

Bei der Piazza finde ich das Restaurant, das mir im Hotel empfohlen wurde. Ich bin froh, dass ich nach meiner kleinen Lebensmittelvergiftung nun endlich wieder so richtig Appetit verspüre und mit Heisshunger die Tomatenspaghetti vertilgen kann.

Piazza von Treviso mit eindrücklicher Prefettura

So geht ein etwas trostloser Tag versöhnlich zu Ende. Morgen sollte das Wetter wieder besser sein.

Fakten Etappe 3 San Bonifazio-Treviso
Gefahrene Strecke: 103 km
Durchschnittsgeschw.: 13.8 km/h
Übernachtung im B&B Hotel, Treviso

 


D4 Treviso-Latisana (Mailand-Trieste-Tour)

Nach erholsamer Nacht im etwas unpersönlichen B&B Hotel in Treviso breche ich um ca. halb neun Uhr auf. Es ist immer noch nass und grau, aber es regnet zum Glück nicht mehr. Kurz nach Treviso führt mich meine app an ein Flüsschen.

Fahrradweg bei Treviso

Leider dauert die Idylle nicht allzu lang an und es geht darauf umromantischen Provinzstrassen entlang.

Später führt mich mein Weg auf eine historische Strasse mit wenig Verkehr, aber leider wird die Strasse nach und nach immer schlechter, bis ich zum Schluss auf einem schlammigen Feldweg lande, auf dem ich nicht mehr vorwärts komme und absteigen muss.

Fahrradroute in der Nähe von Treviso

Ich qüale mich zu Fuss durch den matschigen und klebrigen Schlamm. Zum guten Glück wird’s nach 50m wieder besser.

Was für ein Dreck!

So dreckig war mein Fahrrad noch nie; aber es fährt nach wie vor einwandfrei.

Oft fahre ich heute irgendwelchen Gewässern entlang, das ist einerseits schön, andererseits sind die Wege oft ein wenig holprig und ich komme nur langsam voran.

Fahrradroute Richtung Lagune Veneto

Schon bald gelange ich an die Lagune Veneto, ich bin also gar nicht so weit von Venedig entfernt. Um den östlichen Teil der Lagune führt ein schön angelegter Fahrradweg.

Fahrradweg an der Lagune Veneto

Ich umrunde dieses Lagune und gelange dabei nach Jesolo, wo ich einen kurzen Halt mache.

Jesolo

Die Fahrradroute führt mich aber nicht an das berühmte Lido von Jesolo, sondern ist etwas entfernt vom Strand.

Als ich gemütlich unterwegs bin, werde ich Zeuge, wie auf einem Feldweg etwas unterhalb meiner Route eine Postbotin mit ihrem Elektrotöff auf dem schlammigen Untergrund ausrutscht und stürzt. Sie rappelt sich auf, sieht mich und ruft mir verzweifelt zu, ob ich ihr helfen könne. Ich steige von der Strasse runter und bin froh, dass auch ein Anwohner das Malheur gesehen hat und zu Hilfe eilt. So schaffen wir es, das schwere Gefährt wieder „auf die Beine“ zu stellen.

Postbotin nach Unfall

Etwas weiter habe ich erstmals Blick auf das Meer, die Adria. Das muss ich festhalten.

Blick auf das Meer in der Nähe von Caorle

Wenig später mache ich einen kleinen Abstecher Richtung Meer, denn ich möchte das bekannte Fischerstädtchen Caorle besichtigen.

Caorle, Blick aufs Meer

Ich sehe mich ein bisschen in diesem charmanten Städtchen um und setze mich in ein Café.

Kaffeehalt in Caorle

Es hat schon erstaunlich viele Touristen in diesem Städtchen, auch Schweizerdeutsch ist zu vernehmen.
Ich breche aber bald wieder auf, denn mein Weg ist noch ziemlich weit. Wieder fahre ich in der Folge einem Kanal entlang und bin nach ca. 3 km erstaunt, dass mich meine app links abbiegen lässt – da ist aber nur der Kanal und eine kleine Schiffsanlegestelle. Ich brauche ein Weilchen, bis ich kapiere, was los ist: Von hier sollte mich ein Schiff nach Bibiano bringen – das hatte ich bei meiner Planung übersehen, denn heute fahren keine Schiffe. Pech gehabt! Ich muss wieder umkehren und einen anderen Weg an meinen Zielort Marano Lagunare suchen. Als ich von Caorle nun Richtung Norden fahre, plant mir meine app zwar eine neue Route, aber bis an meinen Zielort sind es nun noch 45 km und es ist schon bald 4 Uhr. Das ist happig.

Ersatzroute Richtung Norden

Auch heute musste ich wieder mit viel Gegenwind kämpfen und ich kann mir nicht vorstellen, wie ich insgesamt 130 km unter diesen Umständen schaffen soll. So suche ich in der nächst grösseren Stadt nach einem Hotel und bin froh, dass ich fündig werde.

Latisana, ungeplantes Etappenziel

Ich ärgere mich, dass ich diese Etappe schlecht geplant habe und nicht gemerkt habe, dass die geplante Fahrradroute von Schiffskursen abhängig ist. Tja, wieder etwas gelernt.

Fakten Etappe 4: Treviso-Latisana
Gefahrene Strecke: 108 km
Durchschnittsgeschw. 13.9 km/h
Übernachtung im Hotel Bella Venezia, Latisana



D5 Latisana-Trieste (Mailand-Trieste-Tour)

Der heutige Tag beginnt besser als die vorangegangen, denn es scheint erstmals die Sonne. Nach guter Nacht und etwas mittelmässigem Frühstück im Hotel Bella Venezia mache ich mich startbereit.
Gleichzeitig mit mir bricht ein Paar in meinem Alter ebenfalls zur einer Fahrradetappe auf. Ich spreche die beiden an und erfahre, dass sie aus Australien kommen und eine 10-wöchige Bike-Tour von Rom nach Dubrovnik machen. Respekt! Da kann ich mit meiner kleinen 5-tägigen Tour nicht mithalten.

Latisana ist keine grosse Stadt, so bin ich bald im Grünen freue mich über das gute Wetter und die Fahrradroute abseits vom grossen Verkehr.

Fahrradroute in der Nähe von Latisana

Nach ca. 20 km erblicke ich einen Mann, der gerade neben der Strasse mit einem Hochdruckreiniger ein kleines Brückchen reinigt, das zu seinem Haus führt. Der kommt wie gerufen, denke ich, halte an und frage ihn, ob er vielleicht mein Fahrrad reinigen könnte. Natürlich frage ich ganz nett und kratze mein liebenswürdigstes Italienisch zusammen. Da kann er nicht nein sagen. Nachdem ich meine Satteltaschen abgenommen habe, stellt er das Fahrrad auf die Strasse und und „behandelt“ es mit seinem Hochdruckreiniger, dass es eine Freude ist.

Ein italienischer Engel, der mir mein verdrecktes Fahrrad reinigt

Nach ca. 10 Minuten ist er fertig und mein Fahrrad wieder wie neu. Auf allen meinen weit über 100 Etappentagen war mir bestimmt noch nie ein Mensch mit Hochdruckreiniger begegnet und ausgerechnet als ich einen brauche, steht ein solcher an der Strasse und erfüllt meinen Wunsch. Das nennt man Fügung!

Meine Freude erleidet aber bald schon einen kleinen Dämpfer, denn die Teerstrasse geht zuerst in einen Kiesweg über und dann folgt ein Single-Trail. War die ganze Putzübung vergebens?

Single-Trail auf dem Weg nach Carlino

Nein, es ist hier zwar auch immer noch ein bisschen matschig, aber mein Fahrrad bleibt doch größtenteils sauber.
Bald darauf komme ich in eine kleinere Ortschaft, wo ich Getränke kaufen möchte.

Carlino

Da ich aber nicht fündig werde, fahre ich weiter und mache einen nächsten Versuch in der Ortschaft Torviscosa, wo ich eine Bar finde, wo ältere Männer herumsitzen und -stehen und miteinander quatschen.

Halt in Torviscosa

Hier begegne ich wieder den beiden Australiern, die heute bis nach Grado fahren wollen. Eigentlich war der Besuch der sagenumwobenen Lagunenstadt Grado auch auf meinem Plan; da ich aber gestern umplanen musste und nicht so weit gekommen bin wie vorgesehen, muss ich leider darauf verzichten.

Dafür nehme ich mir heute Zeit für ein Mittagessen in einem Restaurant, denn am Vorabend gab’s nur Bier und Darvidas. Die Pizzeria mit Gartenterasse, die ich um halb zwölf Uhr erblicke, taucht gerade zur rechten Zeit auf.

Mittagessen in der Nähe von Cervignano del Friuli

Ich werde schnell und freundlich von einer Armada von Kellnern bedient. Zuerst bin ich alleine, aber mit der Zeit ist fast die ganze Terrasse gefüllt. Das Essen, ein gemischter Salat und Penne al Ragu, ist ausgezeichnet und so verlasse ich gut gelaunt den Ort der Speise.

Auf meinem weiteren Weg erregen ein paar römisch aussehende Säulen bei Aquileia meine Aufmerksamkeit:

Forum Romanum, Aquileia

In der Folge gelange ich zum Fluss Isonzo und überquere ihn bevor ich rechts an sein linkes Ufer abbiege.

Isonzo, in der Nähe von Aquileia

Die Route diesem Fluss entlang ist wunderbar, nur leider etwas kurz.

Fahrradroute dem Isonzo entlang

Schon bald gelange ich an einen Damm. Was wohl dahinter steckt? Ich steig hinauf und bin überwältigt vom Blick.

Blick auf das Meer, in der Nähe von Monfalcone

Ich bin nun an der Adria angekommen und habe von diesem Punkt eine wunderbare Aussicht. Schräg gegenüber glaube ich mein Etappenziel Trieste zu erkennen. Jetzt muss ich nur noch rundherum dem Ufer entlangfahren, um diese Stadt zu erreichen.

Die nächste grössere Ortschaft, die ich durchfahre, ist Monfalcone. Dies scheint eine Schiffsbaustadt zu sein, denn es gibt hier grosse Werften und etwas entfernt sehe ich zwei riesige Kreuzfahrtschiffe, die im Bau sind,

Hafen und Werft von Monfalcone

An dieser Stelle verlasse ich das Ufer und es geht ein wenig ins Landesinnere. Die Route steigt nun auch ziemlich an, als ich der Hauptstrasse entlang Richtung Trieste entgegenfahre. Aber oben angekommen eröffnet sich mir ein wunderbarer Blick auf das leuchtend blaue Meer.

Fahrradroute, ca. 20 km vor Trieste

Ich geniesse den nun folgenden Abschnitt mit dem tollen Ausblick. Ausserdem geht’s meist leicht abwärts und die Strasse ist so breit, dass mich die Autos nicht stark stören.

Wieder auf Meereshöhe angekommen erwartet mich eine schön angelegte breite Promenade.

Promenade am Meer bei Trieste

Ganz problemlos erreiche ich mein Hotel aber nicht, Bei einer Baustelle beim alten Hafen ist kein Durchkommen und ich muss wieder umkehren.

Bauarbeiten im Hafenarreal

Schliesslich erreiche ich gegen halb fünf das Zentrum, wo sich mein Hotel befindet.

Trieste

Dort werde ich von zwei sympathischen und netten jungen Frauen empfangen, die gut Deutsch sprechen und mir alle Wünsche von den Lippen lesen. So kann ich schnell mein schickes Zimmer beziehen und mir eine wohlverdiente Dusche gönnen.

Schickes Zimmer im Urban Hotel Design

Nachdem ich mich ein bisschen erholt habe, mache ich mich auf, die Altstadt von Trieste zu erkunden. In einer Hauptgasse entdecke ich ein vielversprechendes Restaurant mit freien Plätzen. Ich darf mich hinsetzen, geniesse zuerst einen Aperitif und schreibe dazu ein wenig an meinem Blog. Später bestelle ich zur Feier der erfolgreich abgeschlossenen Tour ein liebevoll präsentiertes Menu.

Nachtessen in Trieste

Der nachfolgende Spaziergang führt mich noch durch andere Teile dieser äusserst sehenswerten Stadt.

Piazza dell‘ Unita D’Italia mit Palazzo del Governo (links)

Mit einem Blick auf den Sonnenuntergang am Meer beende ich meinen Rundgang und schlendere danach zufrieden ins Hotel zurück, wo ich meinen Blog fertigschreibe.

Sonnenuntergang in Trieste

Die nicht ganz so einfache Tour endet somit versöhnlich mit einer sehr schönen Etappe und perfektem Wetter. Das macht Lust auf mehr!

Fakten Etappe 5: Latisana-Trieste
Gefahrene Strecke: 101 km
Durchschnittsgeschw. 15.4 km/h
Übernachtung im Urban Hotel Design, Trieste




Lugano-Turin-Tour

D1 Lugano-Como (Lugano-Turin-Tour)

Ziemlich spontan habe ich mich entschlossen, dem kalten Osterwetter im Norden zu entfliehen und eine kleine Fahrradtour von Lugano nach Turin zu machen.

Nach nicht ganz unproblematischer Anreise in überfülltem Zug starte ich meine kleine Ostertour am heutigen Gründonnerstag um 15.00 in Lugano. Mein Ziel Como liegt nur etwas über 30 km von meinem Startort entfernt, es sollte mich also eine „easy“ Etappe erwarten. Schauen wir mal.

Lugano, Blick auf Monte Bré

Es ist leicht bewölkt und angenehm, also ich losfahre. Es geht zuerst runter nach Paradiso und dann dem See entlang Richtung Melide, dort über den Damm und weiter dem See entlang; die Fahrradroute befindet sich dabei meist auf den Kantonsstrassen, was nicht so toll ist, da es heute ziemlich viel Verkehr hat.

bei Bissone, Blick auf den Monte Generoso

Bei Bissone erblicke ich den Monte Generoso, was bei mir alte Erinnerungen weckt, da ich vor langer Zeit auf halber Höhe in Somazzo ein Klassenlager durchgeführt hatte; es war mein erstes und ich hatte mir sehr viel Mühe gegeben, den SuS (Neudeutsch für Schülerinnen und Schüler) ein attraktives Programm anzubieten.

In Mendrisio führt mich der Weg durch das Altstädtchen; es ist ganz hübsch anzuschauen.

Mendrisiso

Die Orte, die ich durchfahre kannte ich bisher vor allem vom Hörensagen; deshalb ist schön, dass die Veloroute oft mitten durch diese Orte führt und ich sie somit ein bisschen kennenlernen kann.

Froh bin ich, als ich beim Grenzübergang bei Chiasso auf den Stau vor dem Zoll blicke, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin.

Stau beim Zoll nach Italien in Chiasso

Bald schon erreiche ich die Grenze und bin fast unmerklich nach Italien gelangt. Die letzten 5 Kilometer fahre ich dem Comersee entlang; die Fahrradfahrer dürfen dabei den breiten Promenadenweg benützen; so habe ich eine tolle Aussicht und erblicke schon von weitem die Stadt Como, mein heutiges Etappenziel.

Blick auf Como

Schon bald habe ich die Innenstadt erreicht und bevor ich zum Hotel fahre, mache ich noch eine Foto von einer schönen Piazza im Zentrum der Stadt.

Como

Gegen 8 Uhr erreiche ich mein Hotel, das Hotel Tre Re. Nach kurzem Nickerchen begebe ich mich ins hoteleigene Restaurant und bin froh, dass ich hier speisen kann. Es sind aber nur wenige Gäste da an diesem Abend. Nach feinem Essen darf der Coretto Grappa natürlich nicht fehlen. Dazu gibt’s eine crême brûlée.

Dessert im Hotel Tre Re, Como

Danach ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, schreibe noch meinen – zum guten Glück – kurzen Blogeintrag und lege mich bald darauf zur Ruhe. 
Ich bin gespannt auf die morgige längere Etappe und hoffe, dass das Wetter einigermassen mitspielen wird!

Etappe 1: Lugano-Como
gefahrende Strecke: 36 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 13.6 Km/h (sehr gemütlich)
Übernachtung im Hotel Tre Re, Como



D2 Como-Vercelli (Lugano-Turin-Tour)

Am zweiten Tag meiner Lugano-Turin-Tour starte ich in einen sehr kühlen Morgen. 4 Grad zeigt mir die Wetterapp, das ist ja fast schon winterlich. Ich lass mich nicht erschrecken und fahre warm eingepackt ca. um 08.30 Uhr los. Ich staune, dass an diesem Karfreitagmorgen schon ordentlich Betrieb herrscht. Ich hatte Grabesstille erwartet, sehe mich aber getäuscht; der Karfreitag scheint in Italien kein religiöser Feiertag zu sein wie bei uns.

Markt am Karfreitag, Como

Nachdem ich bei einem grossen Markt vorbeigefahren bin, geht’s auf stark befahrenen Strassen aufwärts. Ich hätte mir einen schöneren Start gewünscht, finde mich aber damit ab. 
Die ersten 35 km sind ziemlich coupiert, ein ständiges Auf und Ab, dazu meist noch mit einigem Verkehr. Zuerst befinde ich mich im Agglomerationskuchen von Como, dann in Vororten von Mailand. Nur einmal führt der Radweg kurz durch schöne Natur.

Radroute im Grünen

Meist aber befinde ich mich auf Strassen, die mehr oder weniger befahren sind. 
Glücklich bin, als ich nach ca. 2 Stunden Fahrzeit ein hübsches Café entdecke, das mich zu einem Kaffeehalt einlädt.

Kaffeehalt in Rovello Porro

Das Fruchttörtchen und der Capuccino schmecken ausgezeichnet! Gestärkt mache ich mich auf die Weiterfahrt und gelange nach ca. 35km an einen Kanal, an dem meine Fahrradroute entlangführt. Das gefällt!

Fahrradroute dem Kanal Villoresi entlang

Gemäss meinen Recherchen soll es ein Bewässerungskanal sein, der aber momentan kein Wasser führt, wie man sieht. Das stört mich aber nicht weiter und ich bin froh, endlich auf einem Streckenabschnitt ohne Autoverkehr zu sein. Wohl fast eine Stunde fahre ich entlang diesem Kanal Richtung Westen. 

Nachdem mein Weg schliesslich eine anderes Richtung eingeschlagen hat, führt mich meine Route über den Fluss Ticino.

Überquerung des Ticino bei Turbigo

Die Fahrradroute gefällt mir nun besser, da sie nun mehr in der Natur und auf Nebensträsschen mit wenig Verkehr verläuft. Auf einem Rastplatz an meiner Route mache ich meine Mittagsrast. 

Mittagsrast in der Nähe von Galliate

Es ist inzwischen wärmer geworden und ich kann erste Kleidungsschichten ausziehen.

Das Wahrzeichen der nächsten grösseren Stadt, durch die ich fahre, ist ein eindrückliches und bedeutsames Kastell. 

Kastell von Galliate

Es ist inzwischen mit der Sonne richtig warm geworden, aber im Hintergrund verkünden dunkle Wolken drohendes Unheil.
Die grosse Stadt Novara erreiche ich zusammen mit den ersten Regentropfen.

Novara, Innenstadt

Eigentlich hätte ich hier gerne nochmals einen Kaffeehalt gemacht, aber aufgrund des sich verschlechternden Wetters ziehe ich es vor weiterzufahren. Kurz nach Novara, beginnt es stark zu winden und zu regnen, weshalb ich bei einem Bushaltestelleunterstand meine Regenkleider überziehe, was eine ziemlich aufwändige Prozedur ist. 

Montage der Regenbekleidung bei Novara

Es ist ziemlich garstig, als ich weiterfahre und es wird immer noch garstiger. Während einer Stunde peitscht mir starker und kalter Regen ins Gesicht und der Wind bläst so stark, dass ich kaum noch vorankomme und ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bei so widrgen Verhältnissen unterwegs gewesen zu sein. Also quäle ich mich durch den Regen und kann nirgends unterstehen, da weit und breit keine Unterstand zu sehen ist.
Nach ca. einer Stunde lässt der Regen zum Glück etwas nach.

kurze Regenpause in der Nähe von Vercelli

Leider ist die Regenpause aber nur kurz und es beginnt wieder zu schütten. Völlig durchnässt komme ich schliesslich um ca. 17.45 Uhr in meinem Hotel an. Dort muss ich zuerst mal alle meine nassen Kleider aufhängen. Und ich bin nass bis auf die Unterhose. Meine Regenkleidung ist offensichtlich ungenügend. Auch meine Schuhe sind pflotschnass trotz Schuhregenschützen. Sogar das Porte-Monnaie und die darin befindlichen Banknoten sind nass – unglaublich! Nur meine Ortlieb-Satteltaschen blieben dicht – zum Glück. So kann ich nach der Dusche trockene Kleider anziehen…

Glücklicherweise gibt’s im Hotel auch eine Pizzeria, wo ich eine warme Mahlzeit bekomme.

Abendessen in der Pizzeria des Hotels Blue Ribbon bei Vercelli

So endet der Tag doch noch versöhnlich! Bevor ich aber den Blog schreibe föhne ich nun schon zum zweiten Mal meine nassen Kleider. Ob sie wohl trocken werden bis morgen früh?

Etappe 2: Como-Vercelli (Lugano-Turin-Tour)
Gefährene Strecke: 102 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.9 km/h
Übernachtung: Hotel Blue Ribbon, Vercelli


D3 Vercelli-Turin (Lugano-Turin-Tour)

Heute nehme ich die dritte und letzte Etappe meiner Ostertour in Angriff. Es ist wieder ziemlich kühl, als ich um 08.15 Uhr losfahre, der Himmel ist aber wolkenlos heute und die Sonne wärmt mich schon bald ein bisschen auf. Bevor ich die Stadt Vercelli erreiche, führt mich der Weg über den Fluss Sesia. Im Hintergrund kann ich Schneeberge erkennen. Diese werden mich zu meiner rechten Seite den ganzen Tag begleiten.

Fiume Sesia bei Vercelli

Nachdem ich die ersten Kilometer auf wenig befahrenen Hauptstrassen unterwegs war, biege ich später auf Nebenstrassen ab. Hier ist es herrlich, in gemütlichen Tempo mit der Sonne im Rücken gegen Westen zu pedalen.

Unterwegs begegnet mir eine stillgelegte „Riseria“. Ich tippe auf eine Reisverarbeitungsfabrik mit meinen bescheidenen Italienischkenntnissen.

Riseria bei Vercelli

Wenig später entdecke ich im Flüsschen neben der Strasse biberähnliche Tiere, die ich ein Weilchen beobachte. Sind es Bisamratten? Ich weiss es nicht so genau.

Bisamratte (?) im Flüsschen neben der Strasse, rechts von meinem Schattenbild

Die Landschaft, durch die ich fahre, ist geprägt von noch unbestellten Feldern, die trotz des gestrigen Regens ausgetrocknet wirken. Überall sind aber Bewässerungskanale zu erblicken und manchmal wird das Wasser mitten durch die Felder geleitet.

Auf meiner Weiterfahrt stösst ein symmetrisch angelegter Gutshof auf mein Interesse. Er scheint aber stillgelegt zu sein.

Gutshof

Wenig später soll ich auf einen schlechten Kiesweg abbiegen. Das gefällt mir nicht, weshalb ich auf der Teerstrasse weiterfahre und dabei wenig später auf eine klosterähnliche Anlage stosse.

Principato di Lucedio

Auf meinen nachträglichen Recherchen finde ich heraus, dass der oben erwähnte Gutshof zu diesem Kloster gehört. Das ist interessant.

Meine Navigationsapp will mich in der Folge wieder auf einen Kiesweg lotsen; diesmal gebe ich nach und bereue es bald. Für Wege mit grossen und vielen Kieselsteinen ist mein Fahrrad mit meinen dünnen Pneus nicht geeignet. So komme ich auch kaum mehr vorwärts und ich bin froh, als ich wieder eine „normale“ Strasse erreiche.

In der Folge vermeide ich das Zickzackfahren über Feldwege und halte mich an die Hauptstrasse. Den heute spärlichen Verkehr nehme ich gerne in Kauf.

Nach ca. 2 1/2 Stunden Fahrzeit entdecke ich in einem kleineren Städtchen ein Café mit Tischen an der Sonne. Ich setz mich an einen freien Tisch, geniesse die wärmenden Sonnenstrahlen, einen Capuccino und eine feine Pfirsichtorte.

Kaffeehalt in Crescentino

Aufgrund meiner schlechten Erfahrungen mit den Kieswegen fahre ich nun meist der Hauptstrasse entlang. So erreiche ich früher als vorgesehen die Ortstafel von Turin. Bis zum Zentrum sind es aber immer noch ca. 10 km.

Ortstafel von Turin

Turin ist keine Velostadt. Es gibt zwar manchmal Fahrradewege – die sind aber in einem katastrophalen Zustand. Auch die Strassen für die Autos sind hier schlecht und voller Unebenheiten. Dabei wäre Turin eine „ebene“ Stadt und fürs Velofahren deshalb geeignet! So muss ich höllisch aufpassen auf der letzten Wegstrecke in diesem Verkehrs-Durcheinander.

in Turin angekommen

Schliesslich erreiche ich um 15.00 Uhr mein Hotel, welches super gelegen im Zentrum der Innenstadt liegt. Nach obligater Dusche und kurzem Nickerchen erkunde ich diese fantastische Stadt und lasse ein paar Bilder sprechen:

Strassenkünstler auf der Piazza Reale

Palazzo Carignano

???

Strassenkünstler auf der Piazza San Carlo

Es sind sehr viele Leute unterwegs an diesem Ostersamstag und es ist inzwischen frühlingshaft warm geworden.
Mit vielen Eindrücken kehre ich ins Hotel zurück und speise danach bald im hoteleigenen, ausgezeichneten Restaurant. Damit ist meine kurze Ostertour nach Turin auch kulinarisch zufriedenstellend ausgeklungen. Es hat sich gelohnt, diese Stadt als Tourziel anzusteuern, auch wenn ich die Fahrradroute dahin nicht zu meinen schönsten Touren zählen kann.

Etappe 3: Vercelli-Turin (Lugano-Turin-Tour)
Gefahrene Strecke: 83 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14.8 km/h
Übernachtung im LE PETIT HOTEL, Turin

 


 

Po-Ebene-Tour

D1 Mailand-Piacenza (Po-Ebene-Tour)

Heute beginnt meine Herbstfahrradtour. Sie startet in Mailand, das ich am Vorabend per Zug erreicht hatte. Das Hotel, in dem ich übernachtetete, liegt nahe beim Dom, so dass ich zu Beginn meiner Tour dieses berühmte Bauwerk im Morgenlicht fotografisch festhalte.

Dom von Mailand

Es herrscht schon viel Betrieb heute morgen in dieser Grossstadt. Ich muss aufpassen, dass nichts passiert. Die Italiener halten sich nämlich nicht so gerne an Verkehrsregeln. Es kommen mir sogar Velofahrer entgegen, die eigentlich auf der anderen Seite der Strasse fahren müssten. Aber immerhin gibt es Velofahrer; das hatte ich gar nicht erwartet.

Mailand am Morgen

Nach etwa 45 Minuten komme ich ins Grüne und verlasse Mailand. Ich bin sehr froh, dass mich Komoot auf einen Fahrradweg entlang eines Kanals (oder Flusses) lotst. Das Wetter ist angenehm; es hat ca. 15 Grad und die Sonne zeigt sich schon.

Fahrradweg Richtung Pavia

Die Fahrradroute ist zu Beginn perfekt. Den Wassermangel spürt man aber auch hier; an manchen Stellen führt der Kanal kein Wasser mehr

Kanal ohne Wasser

Als der Kanal später wieder Wasser führt, sitzen einige Fischer am Wasser und werfen ihre Angeln aus. Ob es in dieser Brühe wohl Fische hat, frage ich mich. Tatsächlich erspähe ich wenig später einige grosse Exemplare. Aber sind die wirklich geniessbar?

Die erste grössere Stadt, die ich nach ca. 35 km erreiche, heisst Pavia. Ich fahre ins Zentrum dieser ausserordentlich schönen Stadt und lasse mich in einem Café nieder.

Pavia

Ich bestelle einen Capuccino und ein Brioche (mit viel Nutella). Der Preis erstaunt mich: ich zahle tatsächlich nur 2.70 Euro für beides.

Capuccino und Brioche in Pavia

Nach dieser kleinen Stärkung mache ich mich wieder auf und freue mich, dass grosse Teile der belebten Innenstadt autofrei sind; das ist wirklich vorbildlich!

Als ich in der Folge einen grössere Ortschaft erreiche, suche ich ein Restaurant, finde aber keines. Dafür gibt’s unzählige Cafés und Bars. Etwas enttäuscht fahre ich weiter – zur Not habe ich ja noch Nüsse und Darwidas – und abnehmen sollte ich ja auch! Ob das gelingt in Italien?

Meist auf Nebenstrasse fahrend komme ich in der Folge gut vorwärts. Erst als ich auf einem Damm eine Naturstrasse vorfinde, geht’s ein bisschen langsamer weiter.

Fahrradweg auf Po-Damm

Den Po, den Namensgeber meiner Tour, habe ich bis jetzt nicht erblickt. Erst als ich auf einer Brücke diesen Fluss überquere, denke ich, dass ich nun auf dem Po-Radweg bin. Auf dieser Brücke hat es aber soviel Verkehr und keinen Radstreifen, dass ich mich nicht getraue anzuhalten, um eine Foto zu schiessen.

Wenig später frage ich mich, ob ich wirklich auf der Po-Radroute bin, denn ich stehe plötzlich vor einem Feldweg, der mitten durch einen Acker führt.

Bin ich auf dem richtigen Weg?

Ich kämpfe mich langsam vorwärts, das (Schwemm)holz auf dem Weg deutet darauf hin, dass ich mich wohl auf Schwemmland des Pos befinde.

Ca. eine Viertelstunde später fahre ich an einer Tafel vorbei, die anzeigt, dass hier der Po-Radweg durchführt. Der Zustand dieser Tafeln wirft aber Fragen auf!!!

Auf dem Po-Radweg

Wenig später wird’s wieder abenteuerlich – der Weg scheint zu enden – und erneut zweifle ich daran, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Ich fahre neben einer Farm vorbei, in der wohl weit über 100 Kühe gehalten werden; es riecht stark nach Kuhmist und die Haltung dieser Kühe wirkt nicht sehr tierfreundlich. Was für ein Kontrast zu den Schweizer Kühen auf Alpweiden im Berner Oberland, die ich in der Vorwoche bestaunen durfte!

Kuhfarm (Bauernhof klingt zu idyllisch!) 

Nach diesem Abschnitt komme ich in der Folge auf eine ziemlich stark befahrene Hauptstrasse; das ist nicht so schön, aber immerhin komme ich nun zügig vorwärts.

Zum guten Glück gibt’s nach etwa 5 km einen Fahrradstreifen, der etwas Schutz bietet vor den grossen Camions. Kurz vor Piacenza, meinem Etappenziel, wird die Trebbia angekündigt, die ich auf einer Brück überquere. Der Fluss führt aber überhaupt kein Wasser – die Trockenheit in der Po-Ebene scheint noch nicht vorbei zu sein.

Brücke über die Trebbia (Wo ist sie geblieben?)

Etwa um 15.30 Uhr erreiche ich das Ortsschild von Piacenza. Ich fahre aber noch weitere 5 Km, bis ich in die Innenstadt komme.

Piacenza

Wie angekündigt, erreiche ich um 16.00 Uhr meine Unterkunft. Die Hausherrin erwartet mich schon und zeigt mir in der Folge mein ausserordentlich schönes Zimmer. Für die «digitale» Dusche gibt sie mir Instruktionen – ich bin froh drum…

Modernes Badezimmer im ANTICA PIACENZA

Nach der wohligen Dusche mache ich mich auf zur Erkundung des Stadtzentrums, das nur wenige Schritte von der Unterkunft liegt.

Domplatz von Piacenza

An diesem Platz finde ich eine Bar, wo ich etwas zu essen bekomme. Ein Lachsburger mit Salat; mal was anderes und sicher gesund.

Nachtessen

Zufrieden schlendere ich nach dem Corretto con Grappa zu meiner Unterkunft zurück. Ich bin froh, dass ich meinen ersten Tourtag ohne Probleme gemeistert habe.

Fakten Etappe 1: Mailand-Piacenza
Gefahrene Strecke: 98 km
Durchschnittsgeschw.: 14.9 km/h
Übernachtung im ANTICA PIACENZA


D2: Piacenza-Sabbioneta (Po-Ebene-Tour)

Als ich am morgens um 7.30 Uhr aus meinem Hotelfenster blicke, sehe ich, dass mich wieder ein schöner Tag erwartet.

Morgenstimmung in Piacenza

Ich staune, wie ruhig es ist im Zentrum dieser doch ziemlich grossen Stadt (100’000 Einwohner), als ich um ca. halb neun losfahre. Bald schon befinde ich mich auf dem Deich, der vor Hochwasser schützt, gleichzeitig aber meist meine heutige Fahrradroute ist.

Fahrradweg auf Deich

Selten ist der Po in Sichtweite. Als es wieder einmal soweit ist, mach ich eine Foto.

Po in der Nähe von Piacenza

Als ich bei einer Abzweigung unsicher bin, auf welchem Weg es weiter geht, kommen zwei ältere Herren herbei und halten mich davon ab, auf der Komoot-Route weiterzufahren, da diese über die Felder führen würde. Ich bin froh um den Tipp und fahre auf guten Strassen einen kleinen Umweg.

Wenig später ist meine Fahrradroute aber abgesperrt – Bauarbeiten sind  der Grund. Da ich aber keine alternative Route finde, zwänge ich mich an der Absperrung vorbei – niemand hat’s gesehen…

Bauarbeiten auf der Fahrradroute

Das ganze ist aber nicht so dramatisch: nach ca. 100m kann ich wieder normal weiterfahren. Als die Fahrradroute sich ausnahmsweise wieder dem Po nähert, fahr ich ans Ufer runter und schau ein wenig den Fischern zu.

Fischer am Po

Kurz nach 11 Uhr treffe ich in Cremona ein. Ich bin gespannt auf diese Stadt, in der ich noch nie war. Sie ist ja bekannt als Geigenbauerstadt, in der Stradivari und andere berühmte Geigenbauer gewirkt haben.

Schon von weitem ist der hohe Turm des Doms zu erblicken. Als ich nah genug bin, mache ich ein Foto von diesem imposanten Bauwerk (Der Turm war mit seinen 112 m lange Zeit der höchste Turm Italiens).

Torre del Duomo und Piazza Stradivari, Cremona

Ich schlendere ein wenig im Zentrum dieser sehenswerten Stadt herum und suche ein Restaurant. Ich bin ziemlich hungrig, da ich am heutigen Tag noch kaum etwas gegessen habe. Im Restaurant del Duomo ist schon aufgetischt. Ich habe Glück und bekomme einen Tisch mit wunderbarem Ausblick.

Mittagessen in Cremona mit Blick auf die Fassade des Doms

Die Fassade des Doms ist sehr interessant: eigentlich romanisch, aber mit Renaissance- und Gotikelementen, wie ich mich durch wikipedia belehren lasse.

Die Fahrradroute führt mich nach diesem schönen Abstecher wieder auf die Po-Deiche. Ich bin sehr zufrieden mit der Route und der Qualität der Fahrradwege. Es sind nun auch ziemlich viele Velofahrer unterwegs, aber keine Tourenfahrer so wie ich.

kleines Dorf am Fahrradweg

Es sind vor allem ältere Herren unterwegs mit Rennrad. Einige im Rudel, andere alleine.

Ein Velofahrer, der mich überholt, verlangsamt seine Fahrt und möchte mit mir ins Gespräch kommen. Das Interesse freut mich – es ist aber gar nicht so einfach miteinander zu kommunizieren, ich versteh nur etwa 50% von dem, was er mir erzählt und zu sprechen fällt mir auch nicht leicht. Immerhin fahren wir wohl fast eine halbe Stunde miteinander und plaudern über dies und das.

Carlo von Casalmaggiore

Bevor er sich von mir verabschiedet zeigt er mir noch ein wenig seinen Wohnort Casalmaggiore, ein kleines Städtchen direkt am Po – der einzige Ort neben Turin, welcher so nahe am Fluss liege, wie er mir versichert.

Piazza von Casalmaggiore

In diesem Städtchen verlasse ich den Po-Radweg, denn mein Zielort Sabbioneta liegt ein bisschen vom Fluss entfernt.

Um ca. 16.30 Uhr erreiche ich nach genau 100 km mein Ziel. Sabbioneta ist ein schmucke kleine Renaissance-Stadt, welche ins Unesco-Kulturerbe aufgenommen wurde. Ausser der Chilbi ist aber nicht so viel los an diesem Tag.

Piazza Ducale, Sabbioneta

Nach dem Einchecken in meiner Unterkunft (B&B-Style), erkunde ich noch ein wenig das Städtchen und entdecke dabei die Galleria, ein erstaunliches Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, das nicht einen wirklichen Zweck erfüllte.

Galleria di Sabbioneta

Leider öffnet das einzige wirkliche Restaurant erst um 19.30, so dass ich mich auf der Piazza in einer Bar von Bier und Chips ernähre und dabei an meinem Blog schreibe.

Ein bisschen beduselt mache ich mich im Dunklen auf den Heimweg in meine Unterkunft.

Fakten Etappe 2: Piacenza-Sabbioneta
Gefahrene Strecke: 100 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.5 km/h
Übernachtung im B&B da Nina


D3: Sabbioneta-Mantova (Po-Ebene-Tour)

Als ich um 8 Uhr den Frühstücksraum meiner B&B-Unterkunft betrete, komme ich ins Staunen. Der wohnzimmerartige ziemlich grosse Raum ist komplett überfüllt mit Möbeln aller Art: Schränke, Kommoden und Gestelle, wohin man auch blickt und alle sind überfüllt mit Büchern, Zeitschriften, Geschirr und weiteren Dingen. Als Höhepunkt zieren Dutzende von noch ungeöffnetet alten Whisky-, Schnaps- und Weinflaschen zuoberst auf den Schränken stehend den Raum. Schade habe ich das Handy nicht dabei, um das Gesehene zu dokumentieren.

Ca. um 8.45 Uhr verabschiede ich mich von der älteren Gastgeberin, die sich sichtlich über ihren einzigen Gast an diesem Tag freute.

Zuerst fahre ich noch einmal durch das kleine Städtchen Sabionneta.

Sabionneta am Morgen

Als ich den Ort durch ein Stadttor verlassen möchte, ist der Weg wegen Bauarbeiten komplett zugesperrt. 

Stadttor von Sabionneta mit Baustelle

Und täglich grüsst das Murmeltier, denke ich und kehre wieder um und suche einen anderen Ausgang aus dieser Stadt, die fast komplett von einer monströsen Stadtmauer umgeben ist. Dadurch «versumme» ich ein paar Minuten, was nicht weiter schlimm ist, da die heutige Etappe ziemlich kurz ist.

Stadtmauer von Sabbioneta

Mein Weg führt mich nun wieder Richtung Po, den ich nach ca. einstündiger Fahrt auf wenig befahrenen Provinzstrassen erreiche.

Fahrradweg dem Po entlang

In der Folge fahre ich wieder auf dem Deich, von dem man eine gute Aussicht hat. Auf meiner Tour komme ich immer wieder an verlassenen und halb zerfallenen Gutshöfen vorbei. Die Landwirtschaft hat wohl schon bessere Zeiten gesehen in dieser Gegend.

Verlassener Gutshof

Nach knapp 3 Stunden Fahrzeit habe ich eine Pause nötig. Ich biege in ein kleines Dorf ab, das an meiner Strecke liegt. Ich setze mich auf eine Bank vor der Kirche und geniesse etwas «Trockenfutter»: Darwidas, Datteln und Nüsse sind meine Mittagsverpflegung

Mittagspause in Cizzolo

Meine ursprünglich geplante Route habe ich in der Zwischenzeit längst verlassen – ich hätte auf die andere Seite des Pos wechseln müssen; wegen einer stark befahrenen Brücke dorthin habe ich aber darauf verzichtet.

Nun fahre ich also immer noch auf der linken Seite des Pos und verlasse mich auf die Velorouten-Schilder, die mir den Weg nach Mantua weisen. Als ich wieder einmal auf einer Schotterpiste lande, bin ich nicht sicher, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin.

Feldweg durch Baumplantage

Nach kurzer Zeit bin ich aber wieder auf einer geteerten Strasse, auf der ich mich besser orientieren kann. In der Folge gelange ich an den Fluss Oglia, den ich kurze Zeit später überquere.

Oglia bei Torre d’Oglia

Diese Brücke hatte Carlo, der Velofahrer vom Vortrag, mehrmals erwähnt in seinen Ausführungen, nun bin ich also da. Die Besonderheit dieser Brücke ist, dass sie eine Pontonbrücke ist, also auf Schiffen schwimmt.

Pontonbrücke bei Torre d’Oglia

Es rumpelt gehörig, als Autos darüber fahren. Auf der anderen Seite geht’s weiter auf einem Deich, von dem aus ich für einmal einen mustergültigen Gutshof erblicke – kein Wunder, es ist ein Agroturismo-Betrieb.

Agroturismo-Gutsbetrieb

Die Strasse ist im folgenden neu geteert und ich komme deshalb sehr gut vorwärts. Bevor ich nach links Richtung Mantova abbiege, mache ich nochmals eine Foto kurz vor dem Zusammenfluss von Oglia und Po.

Fahrradroute beim Zusammenfluss von Oglia und Po

Von hier ist es nicht mehr weit bis Mantova. Schon um 14.00 bin ich in dieser ausserordentlich schönen Stadt.

Ziel erreicht – Hotel dei Gonzaga in Mantua

Da ich noch nicht einchecken kann, setze ich mich in ein Restaurant auf der Piazza Ducale und esse einen Tomatensalat mit Süssmost (nein, sieht nur so aus…)

Mal was Gesundes!

Vom Nachbartisch höre ich lautes Schweizerdeutsch – das müsste ich jetzt nicht unbedingt haben! Pünktlich um 15 Uhr checke ich im Hotel ein, dusche, wasche ein bisschen Wäsche und mache ein kurzes Nickerchen.

Ich bin froh, so früh angekommen zu sein, denn so habe ich Zeit den Palazzo Ducale zu besuchen, der gleich neben dem Hotel liegt. Der Rundgang durch diesen berühmten Palast begeistert mich. Unzählige wunderbare Säle und Räume, viele Bilder und Gemälde. Ich staune über die Pracht in den diversen Gebäudteilen dieses imposanten Palasts und lasse ein paar Bilder sprechen:

Camera delle sposi

Saal

Domenico Tintoretto: San Francesco d’Assisi riceve le stimmate (ca. 1605)

Jacob Denys : Angeli musicanti (ca. 1678)

Spiegelsaal

Labyrinth-Decke

«Hängender Garten»

Nach der grandiosen Palastbesichtigung setze ich mich in ein Café und beginne meinen heutigen Blog zu schreiben, den ich beim Nachtessen im hoteleigenen Restaurant fertig erstelle.

Der heutige Tag war – nach dem eher tristen Abend in Sabbioneta  –  ein erstes Highlight dieser Tour. Mögen noch weitere folgen!

Fakten Etappe 3: Sabbioneta-Mantova
Gefahrene Strecke: 65 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.9 km/h
Übernachtung im Hotel dei Gonzaga


D4: Mantova-Ferrara (Po-Ebene-Tour)

Beim heutigen Frühstück sind die Schweizer unter sich. Mantua scheint sehr beliebt zu sein bei meinen Landsleuten. Gegen 8.15 Uhr verlasse ich das komfortable Hotel dei Gonzaga und starte in den vierten Tourtag. Es kündigt sich ein weiterer schöner Tag an.

Morgenstimmung in Mantua

Schon bald bin ich wieder in der Natur, wo mich Komoot heute sogar auf einen Single-Trail lotst. Der leicht abenteuerliche Abschnitt führt durch ein Naturschutzgebiet.

Single-Trail bei Mantua

Es ist wunderbar, an diesem frischen Morgen durch die Landschaft zu radeln.

Landschaft bei Mantua

Die Fahrradroute führt zuerst längere Zeit diesem Kanal entlang, bis ich wieder an den Po gelange und dort auf der rechten Seite auf dem Deichradweg der Sonne entgegen fahre.

Fahrradroute auf dem Po-Deich

Ich komme gut vorwärts, da die Wege meist geteert sind und es topfeben ist – Po-Ebene halt! In einem kleinen Dörfchen neben dem Po-Deich bietet sich mir ein Spektakel: Ein Arbeiter auf einer Kanzel eines Pneukrans repariert die Spitze eines Kirchturms.

Reparatur eines Kirchturms

Ein wenig später präsentiert sich mir ein weiteres Schauspiel: vier Jäger und zwei Hunde sind auf der Pirsch nach Hasen. Einer musste schon dran glauben, kann ich erkennen. Es sind übrigens nicht die einzigen Jäger, die ich heute erblicke.

Jäger in Aktion

Im Städtchen Revere machen ich nach ca. 40 km den ersten Halt. Bei einer typischen Kaffeebar steige ich vom Velo, setze mich auf einen Plastikstuhl und bestelle einen Café und ein Coca Cola. Die Barkeeperin, die Russin ist, wie sie sagt, ist erfreut über mein Trinkgeld und sagt «mi piacono i tedeschi», worauf ich sie natürlich korrigiere und sage «scusi, sono svizzero!!

Kaffeehalt in Revere

Eine Stunde später lädt mich eine kleine Raststätte mit Sonnensegel zur Mittagspause ein. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und setze mich auf die Bank im Schatten. Heute gibt’s Nüsse und Datteln zum Apéro, Blévita zum Hauptgang und Biberli zum Nachtisch. Ein bisschen trocken alles, aber sicher nicht ungesund!

Mittagspause auf dem Po-Deich

Eine halbe Stunde später mache ich mich wieder auf und fahre weiterhin auf dem Deich, von dem man eine schöne Übersicht hat.

Po-Fahrradroute in der Nähe von Revere

Als ich in die Nähe von Ferrara komme, verlasse ich den Po-Deich, der heute mein treuer Begleiter war und komme auf eine schönen alleenartigen Fahrradweg, der bis an die Stadtgrenze von Ferrara führt. Das ist eine Abwechslung und ich geniesse den Schatten der Bäume, da es inzwischen wieder ziemlich warm geworden ist.

Fahrradroute im Schatten

Bald schon erreiche ich die Stadtgrenze, wo Ferrara etwas grossmundig als Stadt des Fahrrads (città delle biciclette) angekündigt wird.

Ferrara, città delle biciclette

Tätsächlich führen mich in der Folge Fahrradwege bis fast vor mein Hotel, das im Zentrum der Stadt liegt.
Nach einer kurzen Dusch- und Verschnaufpause, mache ich mich auf, um ein wenig die interessante Stadt zu erkunden. Eingangs der Altstadt befindet sich ein riesiger Palast, es ist das Castello Estense, das von einem Wassergraben umgeben ist.

Castello Estense, Ferrara

Ich staune, wie viel Leute heute in dieser Stadt unterwegs sind. Vor allem in der Nähe des Doms wimmelt es von Leuten.

Kathedrale, Ferrara

Nach einem ausgedehnten Rundgang durch belebte Geschäftsstrassen aber auch dunkle Gassen, finde ich ein schönes Restaurant, das noch ein Plätzchen für mich hat. Ich bin froh darüber, denn man merkt, dass heute Samstag ist und deshalb viele Leute auswärts essen gehen. Beim Warten und zwischen den Gängen schreibe ich an meinem Blog.

Nachtessen im TEN Restaurant Cafe, Gemüselasagne mit Salat

Mit einem Völlegefühl nach dem abschliessenden Tiramisu verlasse ich das gemütliche Restaurant und begebe mich in mein Hotel, das ganz in der Nähe liegt. Ein sehr schöner Tag geht seinem Ende entgegen.

Fakten Etappe 4: Mantova-Ferrara
Gefahrene Strecke: 101 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 16.8 km/h
Übernachtung im Hotel De Prati, Ferrara


D5: Ferrara-Padova (Po-Ebene-Tour)

Beim heutigen Frühstück höre ich wieder schweizerdeutsch. Und als ich bemerke, dass meine Tischnachbarn einen Ostschweizer Dialekt sprechen, werde ich hellhörig. Der Dialekt klingt so vertraut, dass ich denke, dass das ältere Paar aus dem Raum Schaffhausen kommt. Das Wort «Tünnä» (= dünner Kuchen) outet die beiden definitiv als aus dieser Region. Ich spreche sie an und wir kommen miteinander ins Gespräch. Sie kommen aus Schlattingen und kennen eine ehemalige Schulkollegin von mir – die Welt ist klein. Sie fahren heute nach Mantua und ich mache mich auf den Weg nach Padua.

Frühstücksraum im Hotel de Prati

Ich staune, dass am heutigen Sonntagmorgen schon viel Betrieb ist in Ferrara. Unter anderem komme ich an einer Gruppe von Leuten vorbei, die sich in mittelalterliche- oder Renaissance-Montur geworfen haben und Pfeil und Bogen mit sich tragen.

Leute mit Pfeil und Bogen / Mittelalterfestspiele?

Als ich wieder den Po erreiche und auf dem Deichweg fahre, überholen mich viele Velofahrer, machmal allein oder sogar in grossen Gruppen mit bis 30 Männern. 
Als ich auf die linke Seite des Pos gewechselt bin, fällt mir zur linken ein stattliches Haus auf, es ist die Villa Norosini-Mantovani, wie ich dem Schild entnehmen kann.

Villa Norosini-Mantovani aus dem 16./17. Jahrhundert

Ich verlasse in der Folge die Po-Fahrradroute und erreiche nach etwa 40 km Rovigo, die erste grössere Stadt auf der heutigen Etappe. Auf der Piazza im Zentrum mache ich meinen ersten Halt und trinke eine Coca Cola.

Halt in Rovigo

Die heutige Route ist abwechlungsreicher als an den Vortagen. Ich befinde mich inzwischen am Fluss Adige (Etsch), den ich auf der fotografierten Brücke überquere.

Adige (Etsch) bei Rovigo

Der heutige Tag war bis jetzt eher trüb, aber zur Mittagszeit hellt sich der Himmel auf und der blaue Himmel zeigt sich.

Villa Miari de Cumani

Ziemlich überrascht bin ich, als zu meiner Linken plötzlich Hügel auftauchen, das hatte ich gar nicht erwartet. Wie ich später herausfinde, sind es die sogenannten Euganeischen Hügel, die sich südwestlich von Padua aus der Po-Ebene erheben.

Euganeische Hügel bei Monselice

Heute verzichte ich auf eine Mittagsrast, denn ich möchte möglichst bald in Padova ankommen, um genügend Zeit für eine Stadtbesichtigung zu haben.

In der kleinen Stadt Monselice werde ich aber fast schwach, als ich freie Plätze in einem Gartenrestaurant entdecke…

Monselice

Ich kann der Versuchung aber widerstehen und fahre weiter.

Die folgende Wegstrecke ist sehr schön und führt mich einem kleinen Fluss (oder Kanal?) entlang, der bis nach Padova führt.

Fahrradroute Richtung Padova

Unterwegs passiere ich ein imposantes Schloss, es ist das Castello del Catajo.

Castello del Catajo

Und täglich grüsst das Murmeltier (die Baustelle), ich hatte es schon ein wenig vermisst:

Baustelle auf dem Fahrradweg

Irgendwie schaffe ich es auch hier, die gut abgesperrte Baustelle zu überlisten. Nun ist es nicht mehr weit nach Padova und ca. um halb vier erreiche ich das Zentrum dieser ausserordentlich schönen Stadt.

Basilica der heiligen Justina am Prato della Vella, Padova

Die riesige Basilica fällt mir als erstes auf und der riesige Platz davor (einer der grössten Innenstadtplätze Europas). Als ich schon fast bei meinem Hotel bin, entdecke ich einen freien Tisch in einem Restaurant mit toller Aussicht auf die Basilica di Sant’ Antonio, die Unesco-Weltkulturerbe ist.

Basilica di Sant’ Antonio

Hier bestelle ich einen Salat und Spaghetti al pomodoro, Mittagessen und Nachtessen in einem.

Nach dem Einchecken im Hotel, das neben dieser Basilica liegt, erkunde ich noch ein wenig die äusserst sehenswerte Stadt. Es wimmelt von Leuten an diesem Sonntagabend im Zentrum der Altstadt.

Sehr berühmt ist der Pallazzo della Ragione, offenbar das heimliche Wahrzeichen von Padua.

Palazzo della Ragione, Padova

Auf der Piazza dei Signori setze ich mich an den Tisch einer Bar mit Blick auf den berühmten Uhrtum, den Torre dell’ Orologio, mit einer astronomischen Uhr von 1437.


Hier schreibe ich bis zum Eindunkeln an meinem Blog. Voller Eindrücke schlendere ich nachher wieder zum Hotel zurück – ein weiterer schöner Tag neigt sich zu Ende.

Fakten Etappe 5: Ferrara-Padova
Gefahrene Strecke: 93 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 15.7 km/h
Übernachtung im Hotel Casa del Pellegrino, Padova


D6: Padova-Vicenza (Po-Ebene-Tour)

Heute schlafe ich ein bisschen länger also sonst, denn es ist der letzte Tourtag und habe nur eine «Halbetappe» nach Vicenza vor mir, von wo ich den Zug nach Mailand nehmen werde.

Im Pilgerhotel, in dem ich übernachtet habe, waren wirklich auch Pilger-Gäste, wie ich beim Frühstück unschwer feststelle. Nach einem Cafe Americano (filterkaffeeartig) und ein paar Brötchen, mache ich mich um viertel nach neun auf den Weg.

Vor dem Verlassen dieser schönen Stadt mache ich nochmals eine Foto.

Padova

Es dauert eine Weile, bis ich aus dieser grossen Stadt heraus bin, immerhin habe ich aber meist einen Velostreifen entlang der Ausfallachse. Nach kurzer Fahrt durch ziemlich dichten Herbstnebel drückt bald die Sonne durch und danach ist der Himmel den ganzen Tag wolkenlos.

In der Folge fahre ich auf einem schönen, auf einem Deich angelegten Fahrradweg, der entlang des Flusses Bacchiglione führt.

Fahrradweg dem Bacchiglione entlang 

Nach etwa 35 km erreiche ich schon die Ortstafel von Vicenza.

Stadtgrenze von Vicenza

Es dauert aber noch ein Stück, bis ich die Innenstadt erreiche. Auch diese Stadt ist sehenswert und vor allem berühmt durch die Palazzi von Palladio.

Am Hauptplatz finde ich Platz in einem Restaurant mit wunderbarer Aussicht. Den Abschluss meiner tollen Tour feiere ich mit einer feinen Lasagne; das hab ich doch verdient, oder?

Mittagessen in Vicenza

Bevor der Zug fährt, besichtige ich noch ein wenig die Altstadt und bestaune all die sehenswerten Gebäude.

Vicenza

Nun ist sie also schon zu Ende, meine Po-Ebene-Tour. Ich bin froh und dankbar, dass mir nichts passiert ist, dass ich keine Schmerzen zu ertragen hatte und dass ich immer schönes Wetter hatte und auch kaum Wind – was will man mehr! Positiv überrascht war ich von den vielen schönen Fahrradwegen abseits stark befahrener Strassen – das hatte ich gar nicht erwartet. Die Highlights aber waren natürlich alle diese Städte, die ich besucht habe und in denen man so richtig in die Renaissance-Zeit eintauchen kann.

Auf meiner Reise von Mailand nach Vicenza legte ich genau 500 km zurück – auf die Angaben von bergauf und bergab geleistete Höhenmeter habe ich bei dieser Tour verzichtet, denn die gesamte Strecke war topfeben!

Etappenplan Fahrradtour Mailand-Vicenza (Po-Ebene-Tour)

Zum Schluss meines Reiseberichts geht ein Dank an meine Leser für die positiven Feedbacks und die Likes. Ich werde mich nach der Winterpause im Frühling wieder mit neuen Tourberichten melden – hoffentlich!

Fakten Etappe 6: Padova-Vicenza
Gefahrene Strecke: 43 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14 km/h